Darmspiegelung (Koloskopie)

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Koloskopie

Liebe Patientin, lieber Patient!

Ihre behandelnde Ärztin / ihr behandelnder Arzt hat Sie bei uns zu einer Darmspiegelung angemeldet. Auf den folgenden Seiten wollen wir Ihnen kurz erläutern, wie diese Untersuchung ablaufen wird und was Sie als Patient dabei zu beachten haben.

Untersuchungsablauf

Bei der Koloskopie wird ein dünner flexibler Schlauch über den After in den Darm eingeführt. Dieses Endoskop hat einen Durchmesser von 12 - 15 mm. Im Endoskop befinden sich mehrere Kanäle: Über einen Kanal wird das Licht einer Halogenlampe zur Spitze geleitet. Über einen anderen Kanal wird dann das Bild von der Spitze zu einem Videoprozessor geleitet, so dass die Bilder vergrößert wie bei einer Videokamera auf einen Bildschirm übertragen werden können. Über einen Arbeitskanal kann der Darm mit Luft entfaltet werden, Restverschmutzungen können mit Wasser gespült werden und der Arzt kann mit einer Biopsiezange kleine Proben entnehmen.

Das Endoskop wird bei der Untersuchung vom After ca 120 cm bis zum anderen Ende des Dickdarms vorgeschoben. An dieser Stelle mündet der Dünndarm in den Dickdarm. Je nach Fragestellung kann auch das letzte Ende des Dünndarms mit dem Endoskop eingesehen werden. Die gesamte Untersuchung dauert je nach dem, was die Ärztin / der Arzt bei der Untersuchung findet, zwischen 15 und 45 Minuten. Da der Darm oder der Bauchraum durch die Untersuchung nicht in ihrer Funktion beeinträchtigt werden, können Sie gleich nach der Untersuchung wieder essen und trinken.

Betäubung

Wenn Sie es wünschen, können Sie für die Untersuchung eine Betäubungsspritze erhalten, so dass Sie während der Untersuchung schlafen und weder Schmerzen noch die Untersuchung bewusst erleben. Dafür wird in unserer Klinik Midazolam und Propofol verwendet. Beide Substanzen haben eine so kurze Wirkdauer, dass Sie unmittelbar am Ende der Untersuchung wieder bei Bewusstsein sein werden. Die ersten ca. 2 Stunden nach dieser Sedierung sind jedoch fast alle Patienten noch so müde, dass sie sich in einem Aufwachraum ausschlafen sollten. Nach diesen 2 Stunden können Sie entweder nach Hause gehen (bei ambulanten Patienten) oder zurück auf die Station gebracht werden (bei stationären Patienten). Für 24 Stunden ist man, eventuell ohne es zu merken, weiterhin in seiner Reaktionsfähigkeit so eingeschränkt, dass man nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen kann. Sie sollten also nach einer Sedierung nicht selbst ein Auto steuern, sondern sich abholen lassen oder mit dem Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren. Auch sind Sie in dieser Zeit nicht "geschäftsfähig" (Verträge etc.).

Ob die Sedierung mit Midazolam und Propofol bei Ihnen durchgeführt werden kann, hängt von Ihrer Erkrankung und den Medikamenten ab, die Sie dauerhaft einnehmen. Bitte informieren Sie daher Ihre Ärztin / Ihren Arzt, die / der Sie zur Untersuchung überweist und die / der die Untersuchung durchführt, über diese Erkrankungen und Medikamente.

Entnahme von Proben

Je nachdem ob die Untersucherin / der Untersucher bei Ihnen eine Erkrankung des Darms feststellt und je nach der Fragestellung an die Untersuchung kann es medizinisch sinnvoll sein, Proben aus dem Darm zu nehmen. Die Proben, die mit einer Biopsiezange entnommen werden, sind sehr klein (2mm).Auch wenn Sie keine Betäubung erhalten haben, werden Sie die Entnahme der Proben nicht spüren. Aus der Entnahmestelle blutet es nur sehr kurz und wenig. In manchen Fällen ist es sinnvoll, an mehreren Stellen des Darms Proben zu entnehmen, z.B. wenn Ihre behandelnde Ärztin / Ihr behandelnder Arzt eine Entzündung des Darms vermutet oder wenn eine entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) bei Ihnen vorliegt.

Bei manchen Patienten entstehen im Darm Polypen. Dies sind zunächst gutartige Tumore, die jedoch, wenn sie mehrere Jahre im Darm vorhanden sind, entarten können und zu bösartigem Darmkrebs werden können. Die meisten dieser Polypen können gleich bei der Untersuchung abgetragen werden. Kleinere Polypen sind bereits mit der Biopsiezange abtragbar, größere Polypen werden mit einer Schlinge abgetragen. Alle Polypenabtragungen können mit Arbeitsgeräten durchgeführt werden, die die Untersucherin / der Untersucher über den Arbeitskanal des Endoskops einführt. Auch die Polypenabtragung werden Sie als Patient nicht spüren.

Einige Patienten haben im Darm kleine erweiterte Gefäße (Angiodysplasien), aus denen es immer wieder zu Blutungen kommen kann. Diese Gefäße sowie kleinere Polypenreste können mit einem Argonlaser verödet werden. Sowohl die Polypenabtragung mit der Schlinge als auch die Verödung mit dem Laser benutzen elektrischen Strom. Die Spannung und die Stromstärke sind dabei so gering, dass für Sie keine Gefahr besteht und Sie die Anwendung dieses Stroms nicht spüren.

Auch wenn die Entnahme von Proben oder die Abtragung von Polypen medizinisch sinnvoll ist, entscheiden natürlich Sie als Patient, ob Sie damit einverstanden sind. Bitte informieren Sie die Untersucherin / den Untersucher vor der Untersuchung, ob Sie mit einer eventuellen Probenentnahme oder der Abtragung von Polypen einverstanden sind.

Risiken und Komplikationen

Risiken für mögliche Komplikationen bestehen bei jeder Untersuchung. Bei Untersuchungen, bei denen der Darm nur inspiziert wird, ohne dass Polypen abgetragen werden, sind Komplikationen äußerst selten. Weil der Darm bei der Untersuchung mit Luft gefüllt werden muss, um die Schleimhaut von innen einsehen zu können, besteht die Gefahr, dass die Darmwand einreißt (Perforation). Dies ist mit einem Röntgenbild des Bauches in der Regel zu erkennen. Eine Perforation muss meist operativ wieder verschlossen werden. Sehr selten treten Blutungen aus der Darmwand auf, die meistens ohne Operation während der Darmspiegelung zum Stillstand gebracht werden können. Stärkere Blutungen, die eine Operation erforderlich machen, sind extrem selten. Allgemein kann man jedoch sagen, je größer und je breiter ein Polyp auf der Wand sitzt, um so höher ist das Risiko einer Blutung und das Risiko eines Durchbruchs bei der Entfernung. Deshalb werden breitbasige und große Polypen zu Ihrer Sicherheit in unserer Klinik nur stationär abgetragen.

Manche Patienten sind allergisch gegen die bei der Untersuchung verwendeten Medikamente. Eine allergische Reaktion klingt jedoch innerhalb kurzer Zeit wieder ab. Die bei der Sedierung verwendeten Medikamente können den Kreislauf und die Atmung beeinträchtigen. Daher wird bei einer Untersuchung mit Sedierung und in der Aufwachphase danach beides kontinuierlich überwacht. Bei einer Reaktion von Kreislauf oder Atmung kann die untersuchende Ärztin / der untersuchende Arzt daher sofort reagieren und mit Medikamenten eingreifen. Ein Infektion mit Krankheitserregern durch die bei der Untersuchung verwendeten Geräte ist theoretisch vorhanden. Aufgrund der Maschinen, die wir zur Aufbereitung der Geräte verwenden, kann eine Infektion allerdings nahezu ausgeschlossen werden. Durch die Untersuchung besteht jedoch das Risiko, dass Bakterien aus dem Darm des Patienten bei der Untersuchung in die Blutbahn gelangen. Bei Patienten mit stark vorgeschädigten Herzklappen kann dies zu einer Infektion der Herzklappe mit Darmbakterien führen. Wenn bei Ihnen eine solche Vorschädigung der Herzklappen bekannt ist, informieren Sie bitte die überweisende Ärztin / den überweisenden Arzt und die Untersucherin / den Untersucher. In einem solchen Fall haben Sie wahrscheinlich auch bereits einen Herzpass. Dann muss vor der Untersuchung und 6 Stunden danach ein Antibiotikum gegeben werden, das die Infektion zuverlässig verhindert.

Darmreinigung vor der Untersuchung

Je besser Sie Ihren Darm auf die Untersuchung vorbereiten, desto schneller, sicherer und aussagekräftiger wird die Untersuchung für Sie. Im ungünstigsten Fall kann die Untersuchung wegen starker Verschmutzung des Darms nicht durchgeführt werden und muss wiederholt werden.

Bitte essen Sie 3 Tage vor der Untersuchung keine kernhaltigen oder faserhaltigen Nahrungsmittel. Dies sind z.B. Obst (Weintrauben, Tomaten, Kiwis), Gemüse (Spargel, Salate) oder Müsli (Sonnenblumenkerne, Körner). Am Tag vor der Untersuchung sollten Sie nur besonders leicht verdauliche Kost essen (Nudeln, Kartoffelbrei) und viel trinken.

Wir empfehlen i. d. R. die Vorbereitung mit Klean-prep® (http://www.darmspiegelung.info/). Klean-prep kann Ihnen entweder Ihr behandelnder Arzt verschreiben oder Sie holen sich die Beutel bei uns vor der Untersuchung ab. Mit den Beuteln erhalten Sie auch eine ausführliche Anleitung, wie man sich am besten auf eine Darmspiegelung vorbereitet. Normalerweise sind zur gründlichen Vorbereitung 4 Liter Klean-prep erforderlich. Lösen Sie das Pulver aus einem Beutel in 1 Liter lauwarmen Wassers komplett auf. Um den Geschmack zu verbessern, können Sie die Lösung dann in den Kühlschrank stellen. Vielen Patienten schmeckt die gekühlte Lösung besser. Trinken Sie die ersten beiden Liter jeweils innerhalb einer Stunde. In der Regel kommt der erste Stuhlgang innerhalb der ersten beiden Stunden. Ebenfalls am Tag vor der Untersuchung sollten Sie den dritten Liter innerhalb einer Stunde trinken. Den vierten Liter können Sie entweder am Abend vor dem Untersuchungstag oder am Morgen vor der Untersuchung, spätestens jedoch 3 Stunden vor Untersuchungsbeginn trinken. Wenn Sie Klean-prep® nicht vertragen, kann eine Darmreinigung auch mit Fleet erfolgen. Da meistens Stuhlreste an der Darmwand kleben, empfehlen wir im Anschluss an die FleetVorbereitung dringend mindestens 1 Liter Klean-prep nachzutrinken. Eine gute Darmspülung haben Sie erreicht, wenn der Stuhlgang nur noch aus gelblicher Flüssigkeit (Tee-ähnlich) besteht. Sollten Sie Fragen zur Vorbereitung haben, rufen Sie uns bitte an: (030) 8445-2627.

Medikamente

Alle Medikamente, die die Blutungszeit verlängern, erhöhen das Risiko bei einer Darmspiegelung. ASS, Aspirin, Plavix, Isocover und nichtsteroidale Rheumamittel sollten Sie nach Möglichkeit 8 Tage vor der Untersuchung absetzen. Sollte dies bei Ihnen nicht möglich sein, dann können bei der Darmspieglung zwar Proben abgenommen werden, Polypen können jedoch nicht entfernt werden. Marcumar oder Falithrom sollte Ihr behandelnder Arzt nach Möglichkeit vor der Darmspiegelung absetzen. Je nach dem, warum Sie diese Medikamente einnehmen, sollte Ihr behandelnder Arzt die Blutverdünnung stattdessen mit Heparin durchführen. Am Tag der Darmspiegelung sollten Sie morgens vor der Untersuchung auch kein Heparin spritzen. Die Umstellung gerinnungshemmender Substanzen vor Eingriffen erfolgt standardisiert und ist z.B. veröffentlicht worden in der Zeitschrift 'Internist' 2005, 46. Jahrgang, Seiten 1006 - 1013. 

Bitte bringen Sie zur Untersuchung aktuelle Laborwerte (INR, Quick, PTT, Thrombozyten) mit, aus denen die Untersucherin / der Untersucher ersehen können, ob die Blutgerinnung bei Ihnen ausreichend ist, um eine Darmspiegelung durchzuführen. Blutdrucktabletten sollten Sie wie gewohnt am Morgen vor der Untersuchung einnehmen, damit auch während der Untersuchung der Blutdruck nicht gefährlich ansteigt. Insulin sollten Sie am Morgen vor der Untersuchung nicht spritzen, da Sie ja nichts essen können. Blutzuckertabletten sollten Sie ebenfalls erst nach der Untersuchung einnehmen, sobald Sie wieder essen können.

Was Sie mitbringen sollten

Bereits bei der telefonischen Anmeldung zur Darmspiegelung wird Ihnen erklärt, dass Sie von Ihrem überweisenden Arzt eine spezielle Überweisung zur Darmspiegelung aus dem aktuellen Quartal mitbringen müssen. Werden Sie von einer Ärztin / einem Arzt ausserhalb der Charité ausschließlich zur Darmspiegelung überwiesen, sollten Sie zur Untersuchung aktuelle Laborwerte mitbringen. Diese sind: Blutbild, Quick / INR, PTT. Wenn bei Ihnen wegen einer Erkrankung der Herzklappen eine Endokarditisprophylaxe erforderlich ist, sollte Ihre behandlende Ärztin / ihr behandelnder Arzt Ihnen die dafür notwendigen Tabletten verschreiben. Die Prophylaxe erfolgt standardisiert nach internationalen Richtlinien, die z.B. unter http://www.h-wie-herz.de/Behandlungen/endokarditispro.html veröffentlicht sind. Kurz vor und 6 Stunden nach der Untersuchung müssen Sie diese Tabletten einnehmen.