Dünndarmspiegelung (Doppelballon-Enteroskopie)

Sie befinden sich hier:

Sonografisch gezielte Organpunktion

Liebe Patientin, lieber Patient!

Ihre behandelnde Ärztin / ihr behandelnder Arzt hat Sie bei uns zu einer Dünndarmspiegelung angemeldet. Auf den folgenden Seiten wollen wir Ihnen kurz erläutern, wie diese Untersuchung ablaufen wird und was Sie als Patient dabei zu beachten haben.

Warum muss der Dünndarm untersucht werden?

Die häufigsten Gründe für die Endoskopie des Dünndarms bestehen in Dünndarmblutungen und dem Verdacht auf Dünndarmerkrankungen. Unter den Dünndarmerkrankungen sind Tumorerkrankungen (z.B. Peutz-Jeghers-Syndrom oder Lymphome) ebenso zu nennen wie entzündliche Dünndarmerkrankungen. Ohne eine Diagnose ist eine optimale Behandlung nicht möglich und häufig kann im Rahmen der DünndarmEndoskopie die Ursache Ihrer Probleme (z.B. Blutung oder Polyp) behoben werden. 

     

Untersuchungsablauf

Bei der Dünndarmspiegelung von oben müssen Sie sich auf den Bauch legen, und nachdem Sie eine Schlafspritze bekommen haben, wird der flexible Untersuchungsschlauch (Endoskop) über den Mund eingeführt. Unter Sicht und unter Lufteinblasung wird das Endoskop über die Speiseröhre und den Magen in den Zwölffingerdarm vorgespiegelt. Vom Übergang des Magens zum Zwölffingerdarm ab wird gemessen, welche Länge des Dünndarms eingesehen wird. Mittels der speziellen Doppelballontechnik wird der Dünndarm so aufgefädelt, dass mehrere Meter, im Durchschnitt 2 bis 3 Meter vorgeschoben wird. Damit erreichen wir meistens mehr als die Hälfte des Dünndarms. Sehr selten wurde auch schon der gesamte Dünndarm mit dieser Untersuchungsmethode untersucht. Wenn die Untersuchung des gesamten Dünndarms für Sie von Bedeutung ist, markieren wir die Stelle, die wir am tiefsten erreichen mit Tusche, so dass hier eine Farbmarkierung verbleibt, die man immer wieder finden kann. Bei der Dünndarmspiegelung von unten müssen Sie sich zunächst auf die linke Seiten legen, und nachdem Sie eine Schlafspritze bekommen haben, wird das Endoskop durch den After eingeführt und über den Dickdarm bis zum Übergang zum Dünndarm vorgeschoben. Mit der speziellen Doppdelballontechnik wird der Dünndarm so aufgefädelt, dass im Durchschnitt 1 bis 2 Meter Dünndarm untersucht werden können. In manchen Fällen gelingt es jedoch nicht, das Endoskop überhaupt in den Dünndarm einzuführen.

Beim Rückzug erfolgt dann die Beurteilung der Schleimhaut des Dünndarms. Zusätzlich können kleine Gewebsproben entnommen werden, die dann vom Pathologen feingeweblich untersucht werden. Bei gesonderter Einwilligung der Patienten können diese Proben auch zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden. Sofern wir Polypen finden, werden wir diese abtragen, beim Nachweis von Tumoren mit der Zange Proben entnehmen oder bei Blutungen durch feine Äderchen (Angiodysplasien) diese durch eine Verschorfung oder durch Unterspritzung mit Fibrinkleber veröden bzw. abdichten. Selten kann auch eine Aufdehnung einer Engstelle oder die Bergung eines Fremdkörpers (z.B. einer Kapsel) im Rahmen der Dünndarmendoskopie erfolgen.

Polypen und Tumoren sind im Dünndarm selten. Sofern ein kleiner Polyp oder ein kleiner Tumor bei der Spiegelung gefunden wird, wird empfohlen, diesen zu entfernen. Je größer ein Polyp oder Tumor ist, um so eher kann bei einer solchen Abtragung eine Komplikation auftreten (z.B. Blutung oder Durchbruch).

Die Dauer der Untersuchung beträgt in der Regel 90 Minuten. Bei schwierigeren Untersuchungsbedingungen (z.B. nach Operationen) oder akuten Blutungssituationen kann sich die Untersuchungszeit verlängern.

Um Ihnen das Einführen des Endoskops angenehmer zu machen, wird eine Betäubungsspritze verabreicht werden, so dass Sie die gesamte Untersuchung über schlafen. 

Mögliche Komplikationen

Komplikationen bei der Dünndarmspiegelung sind äußerst selten. Dennoch birgt leider jeder Eingriff ein gewisses Risiko. Bei der Untersuchung kann es – in seltenen Fällen - zu Verletzungen der Organwand durch den Untersuchungsschlauch (Endoskop) kommen. Bei der Entnahme von Gewebsproben oder Abtragung eines Polypen können Blutungen auftreten. Extrem selten kommt es im Rahmen der Untersuchung zu einem Durchbruch (z.B. Dünndarmdurchbruch), insbesondere wenn durch ein Geschwür die Darmwand schon stark geschädigt ist. Falls solche Komplikationen auftreten sollten, muss ggf. erneut gespiegelt oder in seltenen Fällen (z.B. bei einem Durchbruch) operiert werden. Selten kann es nach einer Dünndarmspiegelung mit Unterspritzung einer Blutung zu Fieber kommen, das eine besondere Überwachung und ggf. die Gabe von Antibiotika erfordert. Sehr selten kann es bei der Dünndarmspiegelung von oben zum Verschlucken von Magensaft mit anschlie- ßender Lungenentzündung kommen.

Eine Infektion mit Krankheitserregern durch die bei der Untersuchung verwendeten Geräte ist theoretisch vorhanden. Aufgrund der Maschinen, die wir zur Aufbereitung der Geräte verwenden, kann allerdings eine Infektion nahezu ausgeschlossen werden. Es besteht jedoch das Risiko, dass Bakterien bei der Untersuchung aus dem Magen des Patienten in die Blutbahn gelangen. Bei Patienten mit stark vorgeschä- digten Herzklappen kann dies zu einer Infektion der Herzklappe mit Darmbakterien führen. Wenn bei Ihnen eine solche Vorschädigung der Herzklappen bekannt ist, informieren Sie bitte die überweisende Ärztin / den überweisenden Arzt und die Untersucherin / den Untersucher. In einem solchen Fall haben Sie wahrscheinlich auch bereits einen Herzpass. Dann muss vor der Untersuchung und 6 Stunden danach ein Antibiotikum gegeben werden, das die Infektion zuverlässig verhindert.

Unabhängig von der eigentlichen Spiegelung kann es zu Überempfindlichkeitsreaktionen auf das Beruhigungsmittel und zu Herz-Kreislauf-Reaktionen kommen. Deshalb wird bei jedem Patienten vor Gabe einer Beruhigungsspritze und während der Untersuchung der Blutdruck, der Puls und die Sauerstoffversorgung im Blut gemessen.

Insgesamt ist das Komplikationsrisiko der Dünndarmspiegelung gering, selbst wenn mit dem Endoskop behandelt wird (z.B. bei einer Blutung). Deshalb setzt sich dieses Untersuchungsverfahren weltweit bei richtiger Indikation zunehmend durch.

Aus rechtlichen Gründen benötigen wir jedoch Ihr Einverständnis vor der Durchführung der Untersuchung.

Datenerfassung und – auswertung:

Die erhobenen Befunde werden EDV-gestützt erstellt und gespeichert. Hierbei wird strengstens auf die Einhaltung der ärztlichen Schweigepflicht und des Datenschutzes geachtet. Die Befunde werden im Anschluss ausschließlich Ihrem Hausarzt oder – auf Ihren ausdrücklichen Wunsch – einer anderen Person zugeschickt.

Ferner werden die Daten zur nötigen Qualitätssicherung oder zur Beantwortung gezielter wissenschaftlicher Fragestellungen einer statistischen Auswertung zugeführt. In beiden Fällen werden die Daten anonym ausgewertet. Ein Rückschluss auf Ihre Person ist nicht möglich.