Refluxkrankheit/Sodbrennen

Sie befinden sich hier:

Definition

Vermehrter Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre, der zu Schmerzen hinter dem Brustbein und einer Entzündung der Speiseröhre (Refluxösophagitis) mit sichtbaren und nicht-sichtbaren Schleimhautveränderungen führen kann. Ein geringfügiger Rückfluss von Mageninhalt ist "normal" (z. B. nach fetten Speisen).
 Etwa jeder 5. Mensch verspürt gelegentlich Refluxsymptome wie z. B. saures Aufstoßen oder Sodbrennen. Bei etwa 6 % der Bevölkerung sind die Beschwerden so ausgeprägt, dass ein Arzt aufgesucht wird. Die Refluxkrankheit ist eine chronische Erkrankung, aus noch nicht geklärter Ursache entwickeln aber nur einige Patienten (etwa jeder Zehnte) mit einer Refluxkrankheit eine entzündliche Veränderung der Speiseröhre, die sog. "Refluxösophagitis".

Symptome

Sodbrennen, Schmerzen hinter dem Brustbein und saures Aufstoßen stehen im Vordergrund. Die Beschwerden nehmen typischerweise im Liegen zu, da die Schwerkraft als "Refluxbremse" wegfällt. Bei Ausbildung einer durch die Entzündung bedingten Verengung der Speiseröhre (Stenose)  können Schluckbeschwerden und Gewichtsverlust auftreten.

Ursache

Die Entzündung der Schleimhaut der Speiseröhre kann durch  Rückfluss von saurem Mageninhalt hervorgerufen werden. Dabei wird die Schleimhaut durch zu häufigen oder zu langen Kontakt mit dem aggressiven Magensaft geschädigt. Die Speiseröhre hat je einen oberen und einen unteren Schließmuskel, letzterer stellt normalerweise eine Barriere gegen einen Rückfluss von Magensäure dar. Eine gewisse Eigenbeweglichkeit (Eigenmotilität, Peristaltik) der Speiseröhre sorgt bei Gesunden zusätzlich dafür, dass sich der Speiseröhreninhalt nur in Richtung auf den Magen entleert. Bei der Refluxkrankheit ist dieses synergistische Zusammenwirken gestört.

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Refluxkrankheit bzw. Refluxösophagitis wird eine Magenspiegelung durchgeführt. Hiermit kann das Vorliegen einer Ösophagitis oder anderer Komplikationen der Refluxkrankheit nachgewiesen werden. Ferner können beim Vorliegen eines Barrett-Ösophagus (s. Klinischer Verlauf) Gewebeproben zum Nachweis möglicher Schleimhautveränderungen entnommen werden. Eine 24-Stunden-pH Messung der Speiseröhre kann weitere wichtige Informationen liefern. Hierbei wird der pH Wert am unteren Ende der Speiseröhre über 24 Stunden aufgezeichnet. Dafür wird dem Patienten über die Nase eine kleine Sonde gelegt, die direkt mit einem kleinen tragbaren Aufzeichnungsgerät verbunden ist.

Theraphie

Allgemeinmaßnahmen

Durch Hemmen der Magensäurebildung wird dem zurückfließenden Magensaft die "Aggressivität" genommen. Für eine optimale Therapie können Patienten durch Einhalten folgende Tipps wesentlich zur Heilung beitragen:

- Unter das Kopfende des Bettes Steine oder Klötze von 10-15 cm Höhe legen (dadurch wird das  Zurückfließen von Magensaft erschwert).
- Vermeiden zu enger Bekleidung.
- Vermeiden größerer Mahlzeiten vor dem Schlafengehen.
- Häufigere kleinere Mahlzeiten reduzieren die Gefahr von zurückfließendem Magensaft.
- Umstellung der Ernährungs- und Genussmittelgewohnheiten (keine fetten Speisen, kein Alkohol, kein Nikotin)
- Bei Übergewicht hilft eine Reduktion des Gewichtes.

Medikamentöse Therapie

Unter dieser Therapie über 6–8 Wochen lässt sich meist eine Abheilung der Ösophagitis bei 90–95 % (Protonenpumpenhemmer) bzw. 75–85 % (H2-Antagonisten) der Patienten erzielen. Bei jedem 2. oder 3. Patienten kommt es jedoch innerhalb von 6 Monaten zum erneuten Auftreten von Beschwerden.

Operative Therapie

Eine operative Therapie kommt erst ganz  zuletzt in Frage, z.B. dann, wenn die Beschwerden häufig wiederkehren und über viele Jahre bestehen oder schon in jüngerem Lebensalter beginnen. Hier sollte auf jeden Fall ein sorgfältiges Gespräch des Patienten sowohl mit Internisten als auch Chirurgen erfolgen.

Klinischer Verlauf

Die Refluxkrankheit verläuft chronisch. Aus noch nicht geklärter Ursache entwickeln nur einige Patienten mit einer Refluxkrankheit auch eine Refluxösophagitis. Als Komplikationen der Refluxösophagitis können wiederum im Bereich des Übergangs der Schleimhaut der Speiseröhre (sog. Plattenepithel) zur Schleimhaut des Magens (sog. Zylinderepithel) narbige Verengungen entstehen. Im weiteren Verlauf wird dann manchmal die Schleimhaut der Speiseröhre durch eine veränderte Schleimhaut  ersetzt (sog. Zylinderepithelmetaplasie). Hierdurch verlagert sich die Grenze zwischen Speiseröhrenschleimhaut  und Magenschleimaut nach oben, es entsteht ein sog. Barrett-Ösophagus. In diesem Bereich entstehen häufig Geschwüre (Barrett-Geschwür). Auf dem Boden dieser Schleimhautveränderungen besteht ein Risiko der Entwicklung bösartiger Neubildungen, daher müssen Patienten mit einem Barrett-Ösophagus regelmäßig untersucht werden.

Zusammenfassend gilt für das Symptom Sodbrennen die "Zehnerregel":
Jeder 10. Patient mit Refluxbeschwerden hat eine Refluxösophagitis.

Jeder 10. Patient mit Refluxösophagitis hat einen Barrett-Ösophagus.

Jeder 10. Patient mit Barrett-Ösophagus entwickelt ein Ösophaguskarzinom.
(=bösartiger Tumor der Speiseröhre)